Adventslied
Überall singt es in diesen Tagen... Fröhliches Geschnatter im Kindergarten, prallvolle Lautsprecher an den Glühweinbuden, vertraute Melodien in einem Adventskonzert ...überall singt es in diesen Tagen.
Der Musik können wir uns in dieser Zeit kaum entziehen. Manchmal kann ich gut mitsingen, manchmal ist mir das alles zuviel, manchmal bleiben mir die Töne im Hals stecken und manchmal höre ich einfach nur genussvoll zu. Haben sie ein persönliches Lieblings-Weihnachtslied zum Mitsingen, Mitsummen, Mithören?
Zu meinen Favoriten gehört „Maria durch ein Dornwald ging“. Es erzählt mir davon, dass Sehnsucht einen Platz im Leben braucht – dass es neben allen traurigen Erfahrungen in der Welt gute Wege geben kann. Mitunter frag ich mich, wie es der jungen Maria wirklich ergangen ist? Damals, vor zweitausend Jahren, heimatlos in Bethlehem. Hatte sie ein Lied auf den Lippen? Wenn ja – welches und wer hat es mit ihr gesungen?
Mitunter frag ich mich: wie wird es der namenlosen Mutter wirklich ergangen sein, mit ihrem toten Sohn an der Stepenitz bei Gottmannsförde? In welchem Dornwald ist ihre Seele so sehr verletzt, dass es offenbar keinen anderen Weg gab? Hat sie in diesem Advent ein Lied? Wenn ja – welches und wer kann es mit ihr weinen?
In diesen Tagen hören wir anders auf die Lieder. Auf die Lebensmelodien hinter dem Lachen und hinter den Tränen. Im Advent singt es in uns von der Welt, wie sie eben ist – und uns gleichzeitig in unserer Sehnsucht erwartet.
veröffentlicht in der www.svz.de am 19.12.2011
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